Projekte << Dosta, Dosta (genug, genug)

Icon KalenderMay 22 - May 24
Icon Zeit10:00 Uhr
Icon LocationOnline
Icon VeranstaltungsformatSonstiges
Icon SpracheDeutsch/Englisch
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Dosta, Dosta (Work in Progress) vereint Klagefrauen, Tänzer:innen und Aktivist:innen aus Serbien, Montenegro, Deutschland und Österreich und ihre Praxen des Trauerns, Klagens und Lamentierens in Gemeinschaft. Die Arbeit fragt nach deren politischen, performativen und feministischen Möglichkeiten und Veräußerlichungen.

Basis des Projekts ist das Trauerklagen oder Lamentieren in der Öffentlichkeit: eine uralte gemeinschaftliche Praxis, die Singen und Weinen miteinander verbindet. Sie findet ausschließlich in Gemeinschaft statt und wird hauptsächlich von Frauen ausgeübt. Seit der Antike ist die Trauerklage in verschiedensten Kulturen verankert und wird auch heute in Europa – vor allem auf dem Balkan, aber auch in Finnland oder Irland – praktiziert. Mehrere Frauen, meistens die ältesten Frauen im Dorf, schwarz gekleidet, besingen, beklagen und beweinen gemeinsam den Tod einer Person. In Serbien singen und weinen die Frauen z.B. chorisch, manchmal abwechselnd, mit improvisierten Gesängen hintereinander. Oft werden Männer z.B. für ihre Missverhalten in der Ehe angeklagt. Die Gesänge können also nicht nur Klagen sondern auch Anklagen sein.

Wie stehen öffentliche Trauer, Politik und Medialisierung in Bezug zueinander? Welche Formen von Gemeinschaft entstehen durch öffentliches Trauern und Klagen? Der Körper bekommt hier eine politische Dimension (Judith Butler): Die „Frauen in Schwarz“, eine feministisch antimilitaristische globale Organisation, demonstrieren z.B. seit den 90er Jahren mit Strategien von traditionellem Trauerklagen gegen Krieg und Gewalt.

Ljubica Duvnjak, Tänzerin und Choreographin, die aktives Mitglied der Organisation ist, sieht den Körper als Werkzeug des feministischen Protests. Um dieses Werkzeug zu stärken, betreibt sie Pole-Dance. Pole-Dance, so Ljubica, ermöglicht es Frauen ihre eigene Stärke neu zu erfahren. In Dosta, Dosta treten Interviews mit Klagefrauen und Expert:innen, Trauerlieder und Texte, Bewegungsabläufe und Geschichten, die von Trauer, Trauerpraxen und Anklagen berichten, miteinander in Austausch.

Gut zu wissen

Am Sonntag, dem 23. Mai, wird es von 20 - 21:30 Uhr ein Gespräch auf Englisch mit englischen Untertiteln mit dem Team von Dosta, Dosta (genug, genug) geben. Wir bitten um Anmeldung unter diesem Link.

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Audio-Deskription

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Untertitel in deutsch und englisch

Galerie

Team

Julia Novacek

Julia Novacek

Julia Novacek ist Video- und Performancekünstlerin. In ihren filmischen und performativen Arbeiten interessiert sie sich für die mediale Konstruktion und Brechung von Authentizität. Ihre Arbeiten waren u. a. zu sehen am SON/TON Festival (Brüssel), Hessische Theatertage 2017, thealit (Bremen), Kasseler Dokfest, MUMOK Kino (Wien),  BRDG (Antwerpen), Brut Konzerthaus (Wien), K3 Kampnagel (Hamburg). Sie arbeitete kollaborativ an Performance- und Filmprojekten wie Nach dem Ende der Versammlung, Mousonturm (FFM) oder Antigone Archivoper, Schwere Reiter (München). Seit 2019 dreht sie mit ihrem Filmkollektiv Studio Studio experimentelle Filme.

www.julianovacek.com

Foto von Christin Schuhmann

Nataša Mikić

Nataša Mikić

Nataša Mikić hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien studiert. Nach dem Studium zog sie nach Belgrad und gründete einen alternativen Belgrad-Guide. Bis 2020 war sie für die PR des Kultur Zentrum KC-Grad in Belgrad verantwortlich. Bei dem Projekt Dosta, Dosta betreut sie die Recherche und Kommunikation in Serbien sowie die Übersetzungsarbeit und Interviewführung während der Dreharbeiten.

Teresa Schwind

Teresa Schwind

Teresa Schwind ist Künstlerin, Radio-Redakteurin und Tonmeisterin für Dokumentar- und Spielfilm. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit Biografie- und Erinnerungskultur. Seit 2018 ist sie als freie Journalistin für Radio Ö1 tätig und unterrichtet seit 2019 Filmton. Zu ihren letzten Arbeiten zählen u.a: Dokumentarfilm TAXI, TAXI (Regie: K. Kerekes, ORF 2021), Dokumentarfilm Herbstrasse (Regie: G. Oberhumer 2019), Theater- und Filmprojekt Glückliche Kinder (Regie: T. Leisch 2019), Installation Hörwand für die Ausstellung ICH UND DU (ZOOM Kindermuseum 2017). Sie gewann 2016 den Radiopreis für Erwachsenenbildung.

Ljubica Duvnjak Dordevski

Ljubica Duvnjak Dordevski

Ljubica Duvnjak Dordevski ist eine Amateurtänzerin, Performerin und Choreografin. Sie studierte Anthropologie und Ethnologie in Belgrad. Die Inspiration für ihre Arbeit findet sie in der Ethnografie und den sozialen Problemen des Balkans. Sie hat mit künstlerischen und feministischen NGOs zusammengearbeitet und nahm an zahlreichen Festivals teil: Exit (Novi Sad), PitchWise (Sarajevo); Dev9t (Belgrad), Elysium (Sremski Karlovci) und Evenstar (Belgrad).